Obstbäume schneiden: Zeitpunkt, Anleitung & Tipps
- Warum Obstbäume schneiden?
- Vorteile Obstbaumschnitt
- Wenn Obstbäume nicht geschnitten werden
- Richtiger Zeitpunkt
- Schnitt im Frühjahr
- Sommerschnitt
- Schnitt im Herbst
- Unterschied Schnitt Kernobst & Steinobst
- Wichtige Schnittarten
- Erziehungsschnitt
- Erhaltungsschnitt
- Verjüngungsschnitt
- Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Werkzeug & Schnittzeit
- Welche Äste werden entfernt?
- Schnitttechnik
- Fehler beim Obstbaumschnitt
- Zu starker Rückschnitt
- Falscher Schnittzeitpunkt
- Stumpfes Werkzeug
- FAQ zu Obstbaumschnitt
Obstbäume sollten aus verschiedenen Gründen regelmäßig geschnitten werden. Neben dem Ziel hochwertige Früchte zu produzieren, ist der Schnitt wichtig für einen gleichmäßigen Ertrag über Jahre hinweg und für die Erziehung der Baumform. Ohne Schnitt wächst das Obstgehölz dicht, sodass die Früchte klein bleiben. Nachfolgend erfahren Sie alles rund um die Themen „Schnittzeitpunkt“, „unterschiedliche Schnittarten“ und „die häufigsten Fehler beim Schneiden von Obstbäumen“.
Warum sollte man Obstbäume schneiden?
Das regelmäßige Schneiden von Obstbäumen ist eine der wichtigsten Pflegemaßnahmen, die Sie sorgfältig durchführen sollten. Bei Obstgehölzen spielt der Schnitt eine entscheidende Rolle für Ertrag, Wachstum, Gesundheit und Größe der Früchte. Eine zu dichte Krone führt zu kleinen Früchten und zu einem vermehrten Befall durch Pilzkrankheiten und Schädlinge.
Vorteile des regelmäßigen Obstbaumschnitts für Ertrag und Gesundheit
Auch ohne Schnitt tragen Obstgehölze Früchte. Beim genaueren Betrachten von ungeschnitten Bäumen, vor allem von Apfelbäumen, erkennen Sie jedoch, dass die Früchte kleiner sind. Teilweise ist das Obst von Fäulnispilzen befallen oder mit schwarzen Flecken übersät. Auch verfrühter Blattfall kann die Folge von einem fehlenden Obstbaumschnitt sein. Durch einen regelmäßigen Schnitt stellen Sie die Weichen für die Qualität, Größe und Gesundheit der Früchte.
10 Gründe für einen regelmäßigen Obstbaumschnitt
- Aufbau einer dauerhaften Grundstruktur
- Früherer Ertragsbeginn
- Verbesserung des Ertrags
- Förderung der Fruchtqualität
- Förderung der Fruchtgröße
- Förderung des Wachstums
- Verringerung des Krankheits- und Schädlingsbefalls
- Milderung von Ernteschwankungen (Alternanz)
- Längere Lebensdauer und Stabilität des Baumes
- Leichtere Ernte
Der Zeitpunkt und die Häufigkeit des Obstbaumschnitts hängen im Wesentlichen von der Obstbaumart ab. Aber auch das Alter der Obstgehölze und die Erziehungsform sind wichtige Faktoren beim Pflegeschnitt. Junge Obstbäume müssen zunächst in Form gebracht werden und erfordern daher etwas mehr Aufmerksamkeit als Bäume, die bereits seit mehreren Jahren gepflanzt und geschnitten wurden.
Wissensfakt: Durch den sogenannten Pflanzschnitt können direkt bei der Pflanzung die Kronenform festgelegt und die Leitäste formiert werden.
Was passiert, wenn man Obstbäume nicht schneidet?
Wenn auf den Schnitt von Obstbäumen verzichtet wird, hat das deutliche Auswirkungen auf das Wachstum, den Ertrag und die Fruchtgröße. Die Krone ist dicht und lässt wenig Licht durch, sodass der Ertrag sinkt bzw. ausbleibt. Häufig sind Bäume, die nicht geschnitten werden, von pilzlichen Erkrankungen befallen. Es kann zum Astbruch kommen und die Gehölze vergreisen.
Frisch gepflanzter Obstbaum
Bei jungen Obstbäumen zielt der Schnitt darauf ab, dem Gehölz ein stabiles Gerüst aus Leitästen zu geben. Außerdem soll die Krone so wachsen, dass ausreichend Sonnenlicht ins Innere des Obstbaumes gelangt. Der Schnitt bei jungen Obstgehölzen verfolgt somit andere Ziele als der bei älteren Bäumen. Ergänzend zum Schnitt kann bei jungen Obstbäumen mit Gewichten oder Schnüren dafür gesorgt werden, dass die jungen Triebe waagrecht wachsen. Dadurch wird das Längenwachstum gebremst und die Bildung von Blütenknospen gefördert. An steil wachsenden Trieben gibt es kaum Früchte. Das Ziel besteht also darin, durch die Pflegemaßnahmen möglichst viele waagrechte Triebe (Fruchtholz) zu erhalten.
Ältere Obstbäume
Bei älteren Obstbäumen dient der Schnitt vor allem der Verjüngung. Die Krone hat bereits ihre endgültige Form erreicht. Durch einen Pflegeschnitt wird der Baum zu neuem Wachstum und zur Fruchtbildung angeregt. Mit zunehmendem Alter vergreisen die sogenannten Fruchtäste. Durch das Entfernen alter, schwacher oder abgestorbener Äste wird der Baum zur Bildung neuer Triebe angeregt. Die Lichtverhältnisse in der Krone verbessern sich, was die Bildung von Blütenknospen unterstützt. Durch den regelmäßigen Obstbaumschnitt bilden sich große Früchte, die leicht zu ernten sind.
Wissensfakt: Bei nicht geschnittenen Obstbäumen kommt es häufig zu geringen Erträgen, minderwertiger Fruchtgröße, Krankheitsbefall und erschwerter Ernte.








Wann ist der richtige Zeitpunkt, um Obstbäume zu schneiden?
Der richtige Zeitpunkt hängt vor allem von der Baumart und der Art des Schnittes ab. Neben dem bekannten Winterschnitt gibt es den Sommerschnitt. Lesen Sie nachfolgend die Unterschiede der beiden Schnittzeitpunkte.
Schnittzeitpunkt
Winterschnitt:
- Ende Januar bis Anfang März
- Kernobst (Äpfel, Birnen)
- möglichst bei frostfreiem und sonnigem Wetter
- bevorzugt ältere Bäume schneiden
Sommerschnitt
- Juni bis August
- Steinobst (Kirschen, Pfirsich)
- Aufbauschnitt für jüngere Bäume
- möglichst an trüberen und kühlen Tagen
- Aufbauschnitt für jüngere Bäume
Vergleich von Sommerschnitt und Winterschnitt
| Sommerschnitt | Winterschnitt | |
| Schnittziel | Blütenbildung | Triebwachstum |
| Wuchsreaktion | Wuchshemmung | Wuchsförderung |
| Wirkung auf den Baum | Licht wird in die Krone gebracht | Aufbau der Krone wird gefördert |
| Einfluss auf die Fruchtqualität | größere, besser ausgereifte Früchte | gute Knospenentwicklung |
| Übersichtlichkeit | mäßig | sehr gut |
| Nährstoffentzug | ja | nein |
| Wundheilung | sehr gut | gut bis sehr gut |
Wissensfakt: Bei Walnussbäumen sollten Sie, wenn möglich, auf einen Schnitt verzichten. Ein Schnitt ist nicht ganz unproblematisch, denn Walnussbäume „bluten“ sehr stark, d. h., sie geben über die Wunden viel Wasser ab. Daher sollte der Schnitt sehr behutsam im Spätsommer erfolgen.








Obstbäume im Frühjahr schneiden: Vorteile und Risiken
Neben der Schnitttechnik ist der Schnittzeitpunkt wesentlich für den Obstbaum. Bewährt hat sich der Schnitt am Ende des Winters. Bei Frost ist das Holz spröde und weniger elastisch, sodass es leicht zu Risswunden kommt. Diese sind häufig Eintrittsstellen für Krankheitserreger. Schneiden Sie die Obstbäume an frostfreien, trockenen Tagen mit Temperaturen von 5 bis 10 °C. Ein Schnitt im Herbst kann dazu führen, dass die Bäume im Frühjahr stark austreiben und weniger Blüten bilden. Für die Blütenbildung ist ein schwächeres Wachstum jedoch günstig.
5 Gründe für den Frühjahrsschnitt
- Der Baum ist in der Ruhephase.
- Schnittwunden verheilen schnell.
- Es besteht eine gute Übersicht im laublosen Zustand.
- Der Schnitt regt den Saftfluss an.
- Die Bildung von Blütenknospen wird durch den Schnitt forciert.
Steinobst wie beispielsweise Kirschen oder Zwetschgen wird im Sommer oder frühen Herbst geschnitten. Auch bei Walnussbäumen kann es durch einen Schnitt im Frühjahr zu starkem Saftaustritt und somit zur Schwächung des Baumes kommen. Ein zu früher Schnitt birgt ebenfalls Risiken, da die Schnittwunden durch Spätfrost geschädigt werden können.
Risiken beim Frühjahrsschnitt
- Starker Saftfluss („Bluten“), vor allem bei Walnuss- oder Kirschbäumen
- Frostgefahr bei zu frühem Schnitt
Wissensfakt: Ein zu später Schnitt im Frühjahr schadet dem Obstbaum. Daher ist es wichtig, dass Sie die Pflegemaßnahme im laublosen Zustand durchführen und die Schnittmaßnahmen beenden, sobald die Gehölze austreiben.
Obstbäume im Sommer schneiden: Wann lohnt sich der Sommerschnitt?
Der Sommerschnitt an Obstbäumen bietet sich an, wenn die Bäume sehr stark wachsen und nur wenige Früchte ansetzen. Durch das Entfernen von Blättern werden weniger Reservestoffe in der Wurzel eingelagert, was den Austrieb im kommenden Jahr bremst. Bei Kernobst kann der Sommerschnitt eine sinnvolle Ergänzung sein, er ist jedoch kein Muss. Vor allem in den Jahren des Erziehungsschnitts kann der Sommerschnitt hilfreich sein. Auch die Formierungsarbeiten an den jungen Bäumen (Abspreizen oder Abbinden der Zweige) erfolgen im Sommer. Vom Sommerschnitt profitieren Apfelbäume mit stark wachsenden Unterlagen, Steinobst wie Zwetschgen, Pflaumen und Aprikosen sowie Süß- und Sauerkirschen. Der optimale Zeitpunkt für diese Pflegemaßnahme ist nach der Ernte, bei Apfel- und Birnbäumen ist dies Ende Juli bis Mitte August.
3 Gründe für einen Sommerschnitt
- Das Wachstum soll gebremst werden.
- Die Qualität der Früchte soll verbessert werden.
- Bessere Wundheilung.
Wissensfakt: An Walnussbäumen sollte der Schnitt ausschließlich im Sommer stattfinden.
Obstbäume im Herbst schneiden: Wann es sinnvoll ist und wann nicht
Ein Obstbaumschnitt im Herbst dient ausschließlich der Pflege des Baumes. Abgebrochene Triebe und Äste können Sie mit dem Schnitt im Herbst entfernen. Form- und Verjüngungsschnitte sollten dagegen im Spätwinter durchgeführt werden, da die Wundheilung langsamer vonstattengeht und das Risiko von Frostschäden höher ist. Vor allem bei kälteempfindlichen Arten wie Pfirsich und Süßkirschen sollten Sie auf einen Schnitt im Herbst verzichten.
3 Gründe gegen einen Schnitt im Herbst
- Die Schnittstellen heilen schlecht und bleiben länger offen. Dadurch steigt das Risiko für Frostschäden und Infektionen.
- Die Infektionsgefahr steigt.
- Der Prozess der Nährstoffeinlagerung in die Wurzeln wird gestört.
Unterschied: Obstbäume schneiden bei Kernobst und Steinobst
Unterschiede gibt es beim Schneiden von Obstbäumen vor allem in der Schnitttechnik und im Zeitpunkt. Die nachfolgende Tabelle gibt einen Anhaltspunkt für die möglichen Schnitttermine der einzelnen Obstarten.
Schnitttermine bei Obstbäumen
| Feb. | März | April | Mai | Juni | Juli | August | |
| Apfel | x | x | x | ||||
| Birne | x | x | x | ||||
| Kirsche | x | x | |||||
| Pfirsich | x | x | |||||
| Pflaume | x | ||||||
| Quitte | x | x | |||||
| Walnuss | x | x | |||||
| Zwetschge | x |
Kernobst (Apfel und Birne)
- wird im Spätwinter geschnitten
- verträgt auch stärkere Schnitte
- Wunden heilen rasch und zuverlässig
Schnittziel: Förderung von Fruchtholz und mehr Licht im Kroneninneren. Da Äpfel und Birnen vor allem am mehrjährigen Fruchtholz tragen, sollten Sie dieses erhalten und nur Seitentriebe und zu dichte Zweige entfernen.
Steinobst (Pflaume, Kirsche, Aprikose, Pfirsich)
- Schnitt nach der Ernte
- Wunden heilen nicht so schnell
- Wunden sind anfälliger für Pilzkrankheiten wie Gummifluss oder Monilia
Schnittziel: Junges Holz sollte gefördert werden, da Steinobst meist am einjährigen Holz Früchte trägt. Alte, wenig vitale Äste werden entfernt und junge Triebe gefördert.
Obstbäume richtig schneiden: die wichtigsten Schnittarten
Nur mit dem richtigen Schnitt bleiben Obstbäume langfristig ertragreich, harmonisch im Wuchs und gesund. Durch einen regelmäßigen Rückschnitt können das Wachstum kontrolliert, die Bildung von Blüten gefördert und störende Äste entfernt werden. Die Schnittart hängt dabei vom Alter des Baumes ab. Direkt bei der Pflanzung erfolgt der Pflanzschnitt, in den ersten Jahren danach zielt der Erziehungsschnitt auf die Formgebung ab. Fruchttragende Bäume werden durch den Erhaltungsschnitt dauerhaft in Form gehalten. Alte oder ungepflegte Bäume können durch einen Verjüngungsschnitt zum Neuaustrieb angeregt werden. Nachfolgend erfahren Sie alles über die drei wichtigsten Schnittarten bei Obstbäumen.
Pflanzschnitt: direkt nach dem Einpflanzen ratsam
Direkt beim Einpflanzen kann durch den Pflanzschnitt die spätere Form des Obstbaumes beeinflusst werden.
Fakten zum Pflanzschnitt
- kürzen Sie den Haupttrieb ein
- wählen Sie drei bis viel gut verteilte Äste als Leitäste aus
- entfernen Sie Triebe, die in Konkurrenz zum Mitteltrieb stehen
- mit einem Spreitzholz können steile Äste zu waagrechtem Wuchs gelangen
Ein kräftiger Pflanzschnitt förert den Neuaustrieb und das Wurzelwachstum.
Erziehungsschnitt: junge Obstbäume in Form bringen
Bei jungen Bäumen wird das Kronengerüst durch Schnitt und Formierung aufgebaut. Ziel des regelmäßigen, sanften Pflegeschnitts ist es, den Jungbaum in die gewünschte Wuchsform zu bringen. Ergänzend können Äste so gebunden werden, dass sie waagrecht wachsen. Wesentliche Punkte für den Erziehungsschnitt sind die Obstart, die Unterlage und die gewünschte Baumform. So unterscheidet sich der Erziehungsschnitt bei Spalierobst von dem bei Halb- oder Hochstämmen. Außerdem werden Birnbäume anders geschnitten als Apfelbäume.
Fakten zum Erziehungsschnitt
- dient dem Gerüstaufbau während der Jugendphase
- Äste werden nur eingekürzt
- Seitenknospen werden angeregt
- variiert je nach Obstart
Ein stabiles Astgerüst wird aufgebaut und ein Gleichgewicht zwischen Wachstum und Fruchtbarkeit hergestellt.
Wissensfakt: Richtig geschnittene Jungbäume sind stabiler, gesünder, langlebiger und tragen früher und mehr Früchte. Die Durchführung des Erziehungsschnittes erfordert eine sorgfältige Auswahl bestimmter Äste, bestimmte Techniken und eine gute Nachsorge (Wundverschluss).
Erhaltungsschnitt: fruchttragende Obstbäume gesund halten
Nach dem Pflanz- und Erziehungsschnitt erfolgt ab dem fünften Standjahr der jährliche Erhaltungsschnitt. Dieser dient der Erhaltung der Kronenform. Dabei wird hauptsächlich altes Fruchtholz entfernt und die Leitäste werden leicht eingekürzt. Durch den Erhaltungsschnitt wird das Wachstum des Baumes beruhigt und er trägt zuverlässig Früchte.
Fakten zum Erhaltungsschnitt/Pflegeschnitt
- regelmäßiger Baumschnitt
- erfolgt nach der Aufbauphase (Jungbaum)
- sollte moderat ausgeführt werden – kein Radikalschnitt
- dient dem Erhalt einer stabilen Kronenform
- fördert die Fruchtbarkeit
- verbessert die Lichtdurchlässigkeit
- dient der Gesunderhaltung des Baumes
- verhindert das Altern
Die Krone wird maßvoll ausgelichtet, abgetragenes Fruchtholz wird zurückgeschnitten und zur Erneuerung angeregt.
Verjüngungsschritt: Alte Obstbäume wieder vital machen
Ein Verjüngungsschnitt ist dann erforderlich, wenn ein Obstbaum deutlich gealtert ist oder vernachlässigt wurde. Der Pflegeschnitt kann außerdem helfen, wenn nur noch wenige fruchttragende Triebe gebildet werden. Meist ist die Krone dicht und unübersichtlich, sodass nur wenig Licht durchgelassen wird. Die wenigen Früchte hängen oft nur noch an den äußeren Enden der Zweige und sind klein. Mit gezielten Schnittmaßnahmen kann der teilweise ungepflegte Zustand verbessert werden.
Fakten zum Verjüngungsschnitt
- erfolgt bei vergreister Krone
- bei ausbleibenden Neutrieben
- bei nachlassenden Erträgen
- maximal ein Drittel der Krone wird entfernt
Die dichte, vergreiste Krone wird zur Wiederherstellung der Grundform stark zurückgeschnitten, wodurch der Neuaustrieb angeregt wird. Wichtig ist, dass diese Schnittmaßnahme auf 2 bis 3 Jahre verteilt wird.
Obstbaumschnitt-Anleitung: Schritt für Schritt erklärt
Grundsätzlich ist es wichtig, dass Sie den optimalen Schnittzeitpunk je Obstsorte nutzen und das passende Gartenwerkzeug zur Hand haben. Direkt nach der Pflanzung ist es wichtig, dass Sie am Jungbaum den sogenannten Pflanzschnitt durchführen. Hierfür benötigen Sie nur eine scharfe Gartenschere. Für den später folgenden Erziehungsschnitt kann mehr Werkzeug erforderlich sein.
Vorbereitung: das richtige Werkzeug für den Gehölzschnitt
Folgende Werkzeuge sind für den Obstbaumschnitt notwendig:
1. Gartenschere
Achten Sie darauf, dass Ihre Gartenschere scharf ist. Bewährt haben sich Scheren mit Bypass-Mechanismus und Klinge sowie Gegenklinge. Hochwertige Gartenscheren haben präzisionsgeschliffenene Klingen, die Sie regelmäßig schärfen und bei Bedarf auswechseln können. Ergonomische Gartenscheren optimieren die Hebelwirkung, sodass der Kraftaufwand selbst bei dicken Zweigen minimal ist. Achten Sie beim Kauf einer Gartenschere auf die Griffweite, da es unterschiedliche Modell gibt. Bei intensiver Nutzung ist es elementar, dass die Griffweite ideal passt. Für Linkshänder gibt es spezielle Linkshänderscheren. Hochwertige Scheren der Marke Felco können Ihnen über Jahre hinweg eine wertvolle Hilfe beim Obstbaumschnitt sein.
2. Handsäge
Mit Handsägen lassen sich dickere Zweige und Äste durchtrennen. Wichtig ist, dass die Handsäge scharf ist und man die Handhabung beherrscht. Bei zu starkem Druck kommt es rasch zu ausgefransten Schnittstellen, die nur schwer heilen. Beim Gebrauch von Sägen für den Obstbaumschnitt ist es wichtig, dass ein glatter Schnitt möglich ist. Hochwertige Scheren der Marke Fiskars können über Jahrzehnte hinweg eine wertvolle Hilfe beim Obstbaumschnitt sein.
Wissensfakt: Es gibt Schwert- und Bügelsägen. Schwertsägen schneiden nur auf Zug, Bügelsägen hingegen sowohl auf Zug als auch auf Druck. Meist werden Schwertsägen zum Auslichten dichter Astpartien und Bügelsägen für dickere Äste verwendet.
3. Astschere
Astscheren werden beim Obstbaumschnitt vor allem bei dickeren Ästen und hohen Kronen verwendet. Modelle mit ausziehbaren Griffen erleichtern vor allem den Schnitt an älteren Obstbäumen. Mit Teleskop-Astscheren lassen sich die Pflegearbeiten an hohen Baumstellen einfach erledigen. Hilfreich ist eine Klinge mit Bypass-Mechanismus, dadurch wird der Schnitt glatt und sauber.
Gärtnertipp: Damit Sie lange Freude an Gartenscheren, Handsägen und Astscheren haben, sollten Sie das Werkzeug nach jedem Gebrauch säubern und ölen. Nur bei guter Pflege ist das Werkzeug für den Obstbaumschnitt scharf und bleibt über Jahre hinweg funktionsfähig. Achten Sie beim Reinigen der Geräte darauf, dass die Schneideflächen gründlich gereinigt werden, um die Übertragung von Pilzkrankheiten zu verhindern.
Welche Äste sollten entfernt werden?
Je nach Baum- und Schnittart müssen beim Obstbaumschnitt unterschiedliche Äste entfernt werden. An jungen Bäumen müssen Sie nur wenige Zweige einkürzen oder entfernen. Bei starkem Wachstum alter Obstgehölze kann ein recht umfangreicher Pflegeschnitt notwendig sein, um die Fruchtbildung sicherzustellen.
Grundprinzipien beim Obstbaumschnitt
- Entfernen Sie alte und kranke Äste bis zum lebenden Holz.
- Schneiden Sie ebenfalls abgebrochene, geknickte Zweige ab.
- Entfernen Sie nach innen wachsende Triebe.
- Kreuzende Äste werden entfernt, um die Baumstruktur zu verbessern und die Ernte zu erleichtern.
- Zu dicht wachsende Zweige und Äste werden abgeschnitten.
- Überflüssige Seitentriebe können abgeschnitten werden (müssen aber nicht).
- Alle senkrechten, sterilen Triebe (Wasserschosse) werden entfernt. Bewährt hat sich das Ausreißen der Wasserschosse als Alternative zum Abschneiden.
- Stammausläufer werden so nah wie möglich an der Wurzel abgeschnitten.
Wissensfakt: Wasserschosse wachsen vor allem im Inneren des Baumes. Diese steilen Triebe sind steril und bilden keine Blütenknospen aus. Entfernen Sie die Wasserschosse daher möglichst früh. Im grünen Zustand können diese noch weichen Triebe ab Ende Mai ausgerissen werden. Durch diese Pflegemaßnahme spart der Obstbaum Kraft und die Krone bleibt lichtdurchlässig.
Wie stark darf man Obstbäume schneiden?
Wie stark Obstbäume geschnitten werden dürfen, hängt im Wesentlichen von der Obstart, dem Alter des Baumes, der Unterlage, dem Erziehungsstil sowie der Wuchsleistung ab. Es gibt keine generelle Regel, wie stark Sie Ihren Obstbaum schneiden dürfen. Alte, ungepflegte Apfelhochstämme auf einer Wiese können jedoch innerhalb von 2 bis 3 Jahren sehr stark zurückgeschnitten werden, damit sie wieder regelmäßig Früchte tragen. Dagegen sollten Sie einen frisch gepflanzten Aprikosenbaum im Hausgarten in den ersten Jahren nur leicht schneiden. Bäume, die stark wachsen und nur wenige Blüten ansetzen, sollten Sie im Winter nur wenig zurückschneiden. Die Fruchtbildung hängt eng mit dem Wachstum zusammen. Bei einem starken Schnitt kommt es zu starkem Wuchs und häufig zu einem geringeren Ertrag.
Schnittgesetze
Starker Rückschnitt -> starker Austrieb
Schwacher Rückschnitt -> schwacher Austrieb
Obstbaumschnitt je Baumart
- Apfelbäume sind sehr gut schnittverträglich.
- Birnenbäume sind ebenfalls schnittverträglich, jedoch sollten Sie etwas zurückhaltender schneiden.
- Kirschbäume sind empfindlich, daher sollten Sie nur vorsichtig schneiden.
- Pflaumenbäume/Zwetschenbäume sind schnittverträglich, meist reicht ein leichter Auslichtungsschnitt.
Wissensfakt: Entfernen Sie nie mehr als 20 bis 30 Prozent der Krone. Wenn ein stärkerer Verjüngungsschnitt notwendig ist, können Sie die Schnittmaßnahmen im Laufe von 2 bis 3 Jahren durchführen.
Saubere Schnitttechnik: So heilen Wunden am Obstbaum schnell
Beim Obstbaumschnitt ist es wichtig, dass die Schnitte sauber und glatt sind. Ganz gleich, ob Sie mit der Gartenschere oder der Astsäge arbeiten: Der sorgfältige Schnitt ist elementar für die Wundheilung. Risse und unebene Flächen sind Eintrittspforten für Pilze und Schaderreger, die zu Krankheiten führen. Nur bei sauberen Schnitten ist die Wundheilung und damit die Gesundheit des Baumes gewährleistet.
Wissenswertes über eine saubere Schnitttechnik:
- Setzen Sie die Gartenschere immer ca. 5 mm über einer Knospe an. Achten Sie darauf, dass der Schnitt leicht schräg zum Trieb erfolgt. Die entstehende Wunde sollte möglichst klein gehalten werden.
- Dicke Äste entfernen Sie mit einer Handsäge. Sägen Sie zunächst den Ast von unten 2 cm ein, anschließend von oben. Achten Sie dabei darauf, dass Sie möglichst nah am Astring sägen.
- Wunden, die größer als 3 cm im Durchmesser sind, werden mit einem Wundverschlussmittel behandelt.
Häufige Fehler beim Obstbäume schneiden und wie man sie vermeidet
Neben dem falschen Zeitpunkt ist ein zu starker oder zu schwacher Rückschnitt der häufigste Fehler beim Obstbaumschnitt. Wenn altes Fruchtholz am Baum belassen wird, trägt dieser zukünftig nur wenige Früchte. Daher sollten Sie altes Fruchtholz regelmäßig beim Obstbaumschnitt entfernen. Auch die sogenannten Wasserschosser sollten Sie im Sommer entweder direkt ausreißen oder in eine waagrechte Form bringen, um die Bildung von Blütenknospen zu forcieren.
Vermeidung von Fehlern beim Obstbaumschnitt
- Schnittzeitpunkt einhalten
- Die Stärke des Schnitts sollte sich nach der Wuchsleistung richten
- Verhältnis von Leit- und Seitenästen berücksichtigen
- Schnitttechnik berücksichtigen
- Schnitt am Astring
- Wasserschosse frühzeitig entfernen. Möglichst ausreißen.
- Konkurrenztriebe der Mittelachse entfernen
- Krone auslichten
- Wundverschlussmittel anbringen
- Werkzeug immer scharf halten
Zu starker Rückschnitt: Das sind die Folgen
Je nach Alter der Bäume können die Folgen eines starken Rückschnitts unterschiedlich ausfallen. Grundsätzlich ist ein Rückschnitt für den Baum wichtig, erfolgt jedoch ein zu starker Eingriff, kann der Baum unterschiedlich reagieren.
Folgen eines starken Rückschnitts bei Obstbäumen:
- Massiver Austrieb von Wasserschossern
- Geringerer Fruchtertrag
- Stress für den Baum (er ist anfälliger gegenüber Krankheiten und Schädlingen)
- Hemmung der Kronenbildung
Falscher Schnittzeitpunkt: Warum das Timing beim Obstbaumschnitt entscheidend ist
Erfolgt der Obstbaumschnitt zum falschen Zeitpunkt, kann die natürliche Entwicklung des Baumes gestört werden. Zudem können geringere oder ausbleibende Erträge die Folge sein. Ein Winterschnitt fördert das Wachstum und ist daher ideal für junge und stark wachsende Bäume. Der Sommerschnitt bremst das Wachstum.
Stumpfes Werkzeug und unsaubere Schnitte vermeiden
Verwenden Sie ausschließlich scharfes und sauberes Werkzeug für den Obstbaumschnitt. Die Schnittwunden sollten glatt und möglichst klein sein. Mit stumpfen Gartenscheren oder Sägen entstehen ausfransende und gequetschte Schnittstellen. Der Baum braucht in diesem Fall länger, um das Kallusgewebe zu bilden, und ist somit anfälliger gegenüber Krankheiten und Schädlingen. Wichtig ist, dass Sie beschädigte Schnittstellen nachschneiden, um die Heilung zu verbessern.
Profitipp: Bei sehr großen Schnittwunden (Wunddurchmesser größer als 3 cm) ist es ratsam, dass Sie die Wunde mit einem Wundverschlussmittel behandeln. Bei Steinobst ist eine Wundbehandlung grundsätzlich empfehlenswert.
FAQ: Häufige Fragen zum Obstbaumschnitt
Der Obstbaumschnitt sollte einmal im Jahr durchgeführt werden. Je nach Baumart erfolgt der Schnitt im Spätwinter oder im Sommer. Wenn der Baum stark wächst, kann ein Sommerschnitt ergänzend zum Winterschnitt sinnvoll sein. Alte Obstbäume können auch im Abstand von 2 Jahren geschnitten werden. Bei Steinobst ist ein jährlicher Schnitt nicht zwingend notwendig. Bei Kirschen, Pflaumen oder Aprikosen kann ein Schnitt im Abstand von 2 Jahren nach der Ernte ausreichen.
Vermeiden Sie es, Obstbäume im Winter zu schneiden. Bei dauerhaft tiefen Temperaturen sollten Sie die Gehölze nicht zurückschneiden. Starten Sie daher erst am Ende des Winters mit dem Obstbaumschnitt.
Ausbleibende Erträge an Obstbäumen können verschiedene Ursachen haben. Neben einem zu starken Rückschnitt kann auch der falsche Schnittzeitpunkt dafür verantwortlich sein, dass ein Obstbaum keine Früchte trägt. Auch der Nährstoffgehalt im Boden kann eine Rolle spielen. Ein zu hoher Stickstoffwert im Boden führt zu starkem Wachstum und geringem Blütenansatz. Jungbäume benötigen oft einige Jahre, bis Früchte gebildet werden. Auch Spätfrost oder zu viel Regen können die Ursache dafür sein, dass ein Obstbaum keine Früchte trägt. Manche Obstbäume benötigen für einen hohen Ertrag einen weiteren Baum. Vor allem bei Kirschbäumen kann ein geringer oder fehlender Ertrag auftreten, wenn kein Befruchterbaum vorhanden ist.











Ich liebe alle Gehölze, aber für die Lagerstroemia indica ‘Dynamite‘ schlägt mein Herz ganz besonders.
Fakten zu Christian Wenk:
- Studium: Dipl. Gartenbauingenieur
- Im grünen Bereich tätig seit: 2009
- Bei Pflanzen-Kölle seit: 2012
- Aufgaben: Produktionsleiter Baumschule
- Nachhaltigkeit bei Pflanzen-Kölle ist für mich: Umstellung der Eigenproduktion auf biologischen Anbau nach EU-Bio-Richtlinien.
- Qualität bei Pflanzen-Kölle ist für mich: gesunde, starke Pflanzen nachhaltig produziert



















